REPERTOIRE   Spielzeit 2017/2018
Die Csárdásfürstin | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier _ Kultur und Freizeit
Mo 10.10.2016
Liebe, Leidenschaft und Lieder, die Ohrwürmer sind von Frank Wilhelm

Wer opulente Bilder,eingängige Melodien und leichten Humor mag, der ist bei der „Csárdásfürstin“ am Neustrelitzer Landestheater gut aufgehoben. Regisseur Stephan Brauer sorgte für die eine oder andere Überraschung.

NEUSTRELITZ. Es beginnt geheimnisvoll. Ein riesiges Porträt einer attraktiven Frau verschleiert die Bühne. Es stammt von Tamara de Lempicka, eine mittlerweile fast
vergessene Art-déco-Malerin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Neubrandenburger Philharmonie spielt
die Ouvertüre der „Csárdásfürstin“. Plötzlich erweist sich das Bild der schönen Dame als transparent. Dahinter ist eine andere Schönheit zu erahnen: Die Diva Sylva Varescu in einem Budapester Theater. Und schon geht‘s richtig los auf der Bühne des
Landestheaters Neustrelitz.
Kaum zu glauben! Aber „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán ist bereits 100 Jahre alt und entfaltet trotzdem einen Glanz ohnegleichen.
Jedenfalls in der Inszenierung von Stephan Brauer am Landestheater, die am Sonnabend eine glänzende Premiere feierte. Der Rostocker Brauer, der auch gleich noch die Choreografie mit erledigte, zaubert eine zündende Fassung des Verwirrspiels um Liebe, Leidenschaft und die eine oder andere Verwicklung der Beziehung zwischen dem Bühnenstar Sylva Varescu (Tonje Haugland) und dem Fürstensohn Edwin Ronald (Andrés Felipe Orozco) auf die Bühne.

Es gleicht einem Skandal in Wien, dass sich der Spross der altehrwürdigen Adelsfamilie von und zu Lippert-Weylersheim in eine
Varieté-Künstlerin verliebt, die viele andere Verehrer an ihrer Seite weiß. Doch die
beiderseitige Liebe ist echt, wie der Zuhörer schon im ersten Akt erfährt. Aber natürlich
braucht es noch jede Menge Enttäuschungen und Verwicklungen, Skandälchen und Missverständnisse, ehe beide zusammenkommen. Zuallererst bürgen der
Text und die Musik der Kálmán-Operette für Kurzweil. Der Ungar hat Hits wie „Machen wir‘s den Schwalben nach“, „Die Mädis vom
Chantant“ und „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ geschaffen, die noch heute
Ohrwürmer sind.

Zudem sind die Dialoge außerordentlich kurzweilig, auch weil Brauer die eine
oder andere aktuelle Anspielung eingebaut hat. Etwa wenn die Komtesse Anastasia,
Kurzform Stasi, die eigentlich als Gattin des Fürstensohns vorgesehen ist, von dessen
Affäre mit Sylvia erfährt. „Du weißt ja alles, Stasi“, reagiert Edwin, worauf diese
antwortet: „Der Name ist Programm.“ Ein Gag, den das Publikum natürlich mit
Lachern quittiert. Durchweg glänzende Sänger
in den Hauptrollen garantieren eine kurzweilige Aufführung. Insbesondere
die komisch angelegten Rollen von Graf Boni, gespielt von einem sehr gut aufgelegten
Bernd Könnes, sowie der Komtesse Stasi, die herrlich naiv von Laura Schwerwitzl dargestellt wird, sorgen für viele Lacher bei der umjubelten Premiere. Nicht zu vergessen der junge Christoph Deuter. Er glänzt in der
kleinen Rolle des Miksa, den Lakaien im Varieté und am Hofe derer von und zu Lippert- Weylersheim.

Überhaupt lässt sich das Publikum nicht lange bitten. Gleich nach dem letzten Vorhang gibt es Standing Ovations. Den Jubel haben
sich nicht nur die Stars auf der Bühne, sondern auch die Neubrandenburger Philharmonie, die Deutsche Tanzkompanie sowie die Chorsänger verdient.
„Die Csárdásfürstin“ ist für Musikfreunde und solche, die es werden wollen, die beste Medizin gegen trübe und dunkle Herbst- und Winterabende.


Nordkurier _ Kultur und Freizeit
Do 06.10.2016
Regisseur auf Reisen inszeniert Operettenhit von Frank Wilhelm

NEUSTRELITZ. Der Theatertag beginnt in der Kantine. Es ist kurz vor 9 Uhr. Wirtin Bärbel
Kowarik hat gerade den ersten Kaffee gebrüht. Stephan Brauer stürmt herein. „Wie immer, einen Pott Kaffee?“, fragt ihn
Bärbel Kowarik. Ein Nicken reicht. Eine Minute später steht die Tasse auf dem Tresen. Brauer zahlt einen Euro. „Und dann gleich noch einen
Euro für die Bulette von gestern.“ Hier, in der Kantine des Landestheaters Neustrelitz wird noch angeschrieben. „Bei allen, die ich kenne“, sagt Bärbel Kowarik. Stephan Brauer kennt sie auch, obwohl der nur Gast am Theater ist.
Der 44-Jährige inszeniert gerade „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán. Die sehr beliebte Operette feiert an diesem
Sonnabend ihre Premiere.
„Vom Pförtner bis zum Intendanten muss das Klima stimmen – gerade, wenn man Gast ist“, sagt Stephan Brauer. Kurz vor Probenbeginn zieht er noch eine Zigarette vorm Eingang durch. Wie zur Bestätigung
grüßen ihn die Tänzer, Darsteller und Techniker, die ins Theater wollen. Brauer
ist kein Unbekannter bei der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg-Neustrelitz
(TOG). Der Rostocker sorgte für die Choreografie bei den Musicals „La Cage aux Folles“ (2010) und „Evita“ (2012). Zuletzt
sprang er im Juni kurzfristig als Choreograf für das sommerliche Erfolgsstück „Die Drei von der Tankstelle“ am Neubrandenburger Schauspielhaus ein.
Die letzte Woche vor der Premiere bringt für alle Beteiligten den größten Stress mit.
Morgens um 10 Uhr beginnen die Proben, die in der Regel erst um 22 Uhr am Abend enden.
Hunderte Einzelheiten sind zu beachten, Hunderte Fragen zu beantworten – in der Regel vom Regisseur, der dieses Mal zugleich auch der Choreograf ist. Zufrieden schaut Brauer aufs Bühnenbild. Ein Schachbrettmuster zieht sich vom Fußboden hinauf zur hinteren Wand. Das Signal für den Zuschauer: Die Operettenhandlung, das verwirrende Spiel der Liebe, kann
sich überall ereignen, nicht nur im Budapest Anfang des 20. Jahrhunderts. Immerhin schon 101 Jahre liegt die Uraufführung der Csárdásfürstin“ zurück. Doch für Brauer ist das Thema zeitlos: „Es geht um die Liebe, die ist immer aktuell.“ Es gehe aber auch um das Verhältnis von Schein und Sein, um die Bedeutung von Titeln – in diesem Fall um Adelstitel – und von großen Namen: Themen, die für Brauer auch heute wichtig sind. Gerade wenn er Politiker und Prominente
sehe und höre, sage er sich immer wieder: „Letztlich gehen wir doch morgens alle
auf die Toilette.“ So, wie der liebe Gott uns erschaffen hat, möchte man ergänzen.
Apropos Politiker. Man muss im Gespräch mit Brauer nur die Begriffe „Theaterreform“
und „Deutsche Tanzkompanie“ einwerfen, schon sprudelt es aus ihm heraus: Er sei
froh, bei der „Csárdásfürstin“ mit der Tanztruppe aus Neustrelitz zusammenarbeiten
zu können, die laut Reform eigentlich schon abgewickelt sein sollte. „Ich will, dass dieses
traditionsreiche Ensemble weiter besteht“, sagt Brauer. Aus seiner Sicht sei es Unsinn
gewesen, dass das Schweriner Kultusministerium mit viel Geld eine Agentur aus München mit der Reform beauftragt habe. „Ich bin traurig, wie mit der Theaterlandschaft
in Mecklenburg-Vorpommern umgegangen
wird.“ Trotz der ungewissen Zukunft auch für das Neustrelitzer Musiktheater habe er ein engagiertes Ensemble vorgefunden. „Ich bin gerne in Neustrelitz. Das Theater hat Karma.“
Seit 25 Jahren ist Stephan Brauer unterwegs – als freier Darsteller, Choreograf und Regisseur.
Er ist Stammgast an den Bühnen in Essen, Hof, Linz und Graz. In dieser Spielzeit geht es auch nach Rostock und im Juni 2017 nach Neubrandenburg, wo er erneut beim Sommerspektakel „Die schöne Helena“ für die Choreografien verantwortlich zeichnet. Auch wenn Brauers künstlerische Vita beeindruckend ist, hat der 44-Jährige noch Träume.
Die „West Side Story“, in der er schon sechsmal mitgespielt hat, würde er gerne selbst einmal inszenieren, genauso wie
die beiden Opern „Turandot“ und „Die Zauberflöte“, für die er bereits eigene Regie-Ideen im Kopf habe.

Musikalische Leitung Panagiotis Papadopoulos Regie Stephan Brauer (R.) Ausstattung Manfred Breitenfellner Chorleitung Dr. Gotthard Franke Choreographie Stephan Brauer Dramaturgie Lür Jaenike mit Christoph Deuter| Lothar Dreyer| Tonje Haugland| Bernd Könnes| Robert Merwald| Andrés Felipe Orozco| Renate Pick| Laura Scherwitzl| Axel Rothe | Karsten Schröter   |   Opernchor   |   Deutsche Tanzkompanie   |   Neubrandenburger Philharmonie   |   Statisterie   |     |   2016/17: Sigurd Karnetzki als Leopold Maria / ML Jörg Pitschmann