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Der Bajazzo | Stückbeschreibung | Presse
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Nordkurier _ Kultur und Freizeit
Mo 26.03.2018
Aus dem heiteren Spiel wird blutiger Ernst von Mirko Hertrich

Das musikalische Drama „Der Bajazzo“ in Neustrelitz vereint Gesang und Akrobatik zu einem vergnüglichen Abend. Dazu hatten Intendant Joachim Kümmritz und Bühnenbildner Albert Lang eine zündende Idee.

NEUSTRELITZ. Angesichts der atemberaubenden Akrobatik hält es auch die als Statisten kostümierten Chormitglieder
kaum auf den Sitzen. Für die Inszenierung des musikalischen Dramas „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo (1857-1919) verwandelt
Regisseur Peter Lotschak die Bühne am Landestheater Neustrelitz in eine große
Zirkusmanege, in die er zur Begeisterung des Publikums junge Absolventen der Staatlichen
Artistenschule Berlin geholt hat. Am Samstag feierte die bunt-quirlige Inszenierung
des Operndramas seine erfolgreiche Premiere.
Inspiration für sein heute bekanntestes Stück fand der italienische Komponist Leoncavallo in einem realen Eifersuchtsdrama im Schausteller-Milieu, dessen Zeuge er als Kind wurde. Entsprechend tritt ein Mitwirkender
des Stücks im Prolog auf die Bühne und bereitet das Publikum singend im Namen des
Erschaffers auf die Realitätsnähe des 1892 uraufgeführten Dramas vor.
Schauplatz des tragischen Musik-Reigens ist ein kleines kalabrisches Dorf, in dem die Zirkustruppe des Direktors Canio (Bernd Könnes) gastiert. Der ist rasend eifersüchtig und fürchtet, dass seine junge Frau Nedda
(Lena Kutzner) ihn hintergeht – nicht zu Unrecht. Sein Gaukler-Kollege Tonio (Sebastian Naglatzki) erwischt sie in flagranti und verrät sie aus Vergeltung für verschmähte
Liebe an den rachsüchtigen Ehemann. Liebhaber Silvio (Robert Merwald) kann
rechtzeitig flüchten. Seine Auserwählte weigert sich beharrlich, ihrem Mann den
Namen des Nebenbuhlers zu nennen. So entspinnt sich ein letztlich tödlich endendes
Drama zwischen Realität und Fiktion, in dem „Der Bajazzo“ (italienisch: Clown) so manch bittere Träne unter seiner Schminke verdrückt.
In der Neustrelitzer Inszenierung wird das Werk um mehrere akrobatisch-artistische
Szenen erweitert, die von Studenten der Staatlichen Artistenschule Berlin gestaltet werden, um so das Bühnengeschehen durch
echte Zirkusatmosphäre zu unterstreichen. Zu Beginn des zweiten Akts beweisen drei junge Artisten großes Talent. Jule Schuster scheint
in ihrem Balanceakt auf dem Schlappseil die Schwerkraft vergessen machen zu wollen,
während Lukas Köster in seine Jonglage viele verblüffende Tricks einbaut. Auch Julia
Grotes anmutige Volten am Luftring lassen das Publikum staunen und sich fast im Zirkus
wähnen.
Die musikalische Leitung der Inszenierung in italienischer Sprache trägt Panagiotis
Papadopoulos. Seit dieser Spielzeit ist er Erster Kapellmeister der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/
Neustrelitz. An der Oper wirken neben den Philharmonikern Neubrandenburg auch vier Chöre mit, deren Sänger als Zirkuspublikum –
liebevoll und detailreich ausgestattet
von Gieselher Pilz – in das Bühnenbild von Albert Lang integriert sind. Lang hatte auch zusammen mit Intendant Joachim Kümmritz
die Idee, diese Inszenierung um echte Zirkusszenen zu erweitern.
Beim Publikum kam die Mischung aus Hochkultur und Akrobatik sehr gut an. Für die hochwertige Darbietung aller Akteure gab es
begeisterten und langen Applaus. Die Oper soll im Sommer nach diesem Konzept
auch in Rostock aufgeführt werden.

Weitere Vorstellungen in Neustrelitz:
31. März, 29. April, 25. Mai und 1. Juni
jeweils um 19.30 Uhr. Karten kosten
zwischen 18 und 26 Euro.

Kontakt zum Autor
m.hertrich@nordkurier.de


Nordkurier
Do 22.03.2018
Artistische Premiere für den „Bajazzo“ von Alexander Block

Am Sonnabend feiert „Der Bajazzo“, ein musikalisches Drama, im Landestheater Neustrelitz Premiere. Dabei treffen Oper, Zirkus und Artistik aufeinander.
Vorhang auf und Manege frei, heißt es am Sonnabend im Landestheater Neustrelitz. Dann nämlich feiert die Oper „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo (1857-1919), inszeniert von Peter Lotschak, ihre Premiere. Leoncavallo verfasste das Werk nach einer wahren Begebenheit, die der Komponist als Kind in Italien erlebte.
Eine Schaustellergruppe, bestehend aus Akrobaten und Gauklern, kommt in ein kleines Dorf, um dort ihre Kunststücke aufzuführen. Zirkusdirektor Canio, gespielt von Bernd Könnes, wird von seiner jüngeren Frau Nedda, dargestellt von Lena Kutzner, betrogen. Ihr Gegenspieler Tonio wird von Sebastain Naglatzki verkörpert. Hinter den Kulissen ist die Stimmung äußerst gereizt, Eifersucht und Misstrauen sind an der Tagesordnung. Die von Betrug und Liebessehnsucht geprägten realen Beziehungen der Akteure spiegeln sich schließlich im Geschehen in der Manege wieder. Plötzlich wird aus heiterem Spiel bitterer Ernst.
Staatlichen Artistenschule Berlin mit akrobatischen Nummern
Regisseur Peter Lotschak inszeniert das Drama, dessen Hauptmerkmal sein übersteigerter Realismus ist, nun mit mehreren akrobatisch-artistischen Szenen. „Der eigentliche Zirkus kommt in dem Werk nicht vor, deshalb hat es mich so gereizt, diese besondere Atmosphäre auf die Bühne zu bringen“, erklärt Lotschak. Dazu hat er vier akrobatische Nummern in das Werk einfließen lassen. Aufgeführt werden diese von Künstlern der Staatlichen Artistenschule Berlin. So kann das Publikum extravagante Darbietungen am Luftring, am Schlappseil, in der Jonglage und beim Turnen erleben.
Neben dem Theaterorchester, der Neubrandenburger Philharmonie, spielt in dem Zirkus auch eine eigens engagierte dreiköpfige Zirkusband. Das Vorspiel der Oper wird musikalisch vom „Bajazzo Mosaik“ unterlegt, welches der langjährige Zirkus Roncalli-Kapellmeister Georg Pommer komponierte. Zum Zirkus Roncalli hat Lotschak schon seit den 1980er Jahren eine enge Verbindung. Damals inszenierte er mit Zirkusdirektor Bernhard Paul bei den Wiener Festwochen.
Oper auf italienisch
In Neustrelitz ist es nun sein erstes Engagement. Zuvor arbeitete der gebürtige Österreicher für die Schlossfestspiele Schwerin. „Neustrelitz ist ein schönes Haus und es macht Spaß hier zu arbeiten“, freut sich Lotschak. Einen besonderen Reiz hat für ihn auch, dass zwei zwar verwandte, aber doch unterschiedliche Schauspielarten, Oper und Zirkus, aufeinander treffen. „Das ist ein schöner Austausch zwischen den Künstlergruppen und bringt einem tolle Erfahrungen“, so Lotschak.
Wer das mit Intrigen durchsetzte Meisterwerk und mit all seiner spektakulären Artistik sehen möchte, kann noch Karten für die Premiere am Sonnabend um 19.30 Uhr bekommen. Die Oper wird auf italienisch vorgetragen und mit Übertiteln übersetzt.

Musikalische Leitung Panagiotis Papadopoulos| Daniel Stratievsky Regie Peter Lotschak Video Martha-Luise Urbanek mit Lena Kutzner| Bernd Könnes| Robert Merwald| Sebastian Naglatzki| Andrés Felipe Orozco | Neubrandenburger Philharmonie | Opernchor | Extrachor und coruso e. V. | Statisterie der TOG | Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin | Zirkusmusik: Georg Pommer | Bühne: Albert Lang | Kostüm: Gieselher Pilz