REPERTOIRE   Spielzeit 2018/2019
Moja, Sheli, Meine ... HEIMAT | Stückbeschreibung | Presse
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Drei Choreographen - drei Bekenntnisse

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DEUTSCHE TANZKOMPANIE NEUSTRELITZ
Drei Handschriften, drei künstlerische Ansätze, die zu einem gemeinsamen Abend verbunden werden, laden sie zu einem besonderen Tanzerlebnis ein.

Was ist Heimat? Wo beginnt sie – im Mutterleib? Und wo endet sie – auf dem Friedhof? Der Heimatbegriff ist kein einfacher. Es gibt ihn nicht in allen Sprachen. Er wurde in der Geschichte unserer Zivilisation missbraucht und instrumentalisiert. Er ist vor allem eines: Ausdruck einer Sehnsucht. Geborgenheit, Zugehörigkeit, Vertrautheit – diese Worte sind manchmal fast schon Synonyme. Um so lohnender ist das Projekt einer kreativen Erkundung dieses facettenreichen Begriffes und seiner ästhetischen Deutungspotentiale, das die Deutsche Tanzkompanie in Angriff genommen hat.
JULIA-MARIE KOCH untersucht Heimat als die „Liebe zu unserem Ursprungsort, die Verbundenheit, die Erinnerungen, die Sehnsucht zurück und das Unentrinnbare, Untrennbare, der große Fehler. Geborgenheit in einer heilen Welt suchen oder sich wie im Gefängnis fühlen – beides kann sich im Nachhinein als fatal herausstellen.“ – Heimat wäre folglich der ideale Ort für die Entwicklung eines Dramas.
SAGI GROSS wurde in Israel geboren und fühlt sich seinem Land verbunden. Seine künstlerische Heimat sind seit vielen Jahren die Niederlande. Hier leitet er seine eigene Kompanie, hat sein künstlerisches Konzept entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Er hat zwei Orte, die ihm Heimat sind, auch daraus bezieht er die Energie für seine höchst intensiven Choreographien. „0ne charming night“, so der Titel seines Beitrags, reflektiert zudem den Aspekt der Gefährdung von Heimat. Das Eintreten in einen Krieg bedroht jede Heimat, auf beiden Seiten der Front.
Für LARS SCHEIBNER ist Heimat ein Strom von Erinnerungen, mal greifbar, mal fühlbar im Unbewussten dahinfließend. Zeit und Geschwindigkeit variieren und so ist der Fluss der Erinnerungen und Imaginationen mal breit und ruhig strömend, mal schießt er voran wie ein Gebirgsbach. Als Sohn eines deutschen Vaters und einer russischen Mutter ist er zweisprachig aufgewachsen. Auch seine Heimat lässt sich nicht eingrenzen, schon gar nicht auf einen konkreten Ort. Die Arbeit, konkret die mit der Deutschen Tanzkompanie und ihren Tänzern, ist für ihn seit mehr als drei Jahren der Raum, in den er sich eingebettet fühlt. Dabei geht der Blick aber nicht in die Vergangenheit. „Weiter geht’s“, so treibt er sich selbst und seine Weggefährten an.

Ensemble Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz   |   CHOREOGRAFIE: Julia-Marie Koch, Sagi Gross, Lars Scheibner